Werkstattkonzert 2013


Ermanno Chiavi Guitars 

Werkstattkonzert in Zürich 2013 zum 10jährigen Bestehen 

der 13-saitigen Gitarre Chiavi-Miolin 

von Oliver Primus

Zürich im November, ein Sonntag, ein besonderer Anlass: in der Werkstatt 
des Gitarrenbauers Ermanno Chiavi fand ein Jubiläumskonzert statt anlässlich des  >10-jährigen Bestehens der 13saitigen Chiavi-Miolin-Gitarre.
Auf dem Dach des Gebäudes, in welchem viele kleine interessante Betriebe ihren kreativen Tätigkeiten nachgehen, gibt es eine Art Glasspavillon, Kantine und Festsaal zugleich, mit weitem Blick über die Stadt, entlang der Bahngleise, auf denen man mit dem Nachtzug nach Lissabon fahren kann. Auf der Terrasse lodert ein Feuer, es sind 150 Besucher gekommen,
die kleine Bühne wird von Kerzen beleuchtet.
2003 entstand der Prototyp der 13-saitigen Gitarre, auf Anregung und Wunsch des schwedischen Gitarristen Anders Miolin, Professor an der Hochschule der Künste in Zürich. Ermanno Chiavi baut vier Instrumente, die an der Hochschule öffentlich vorgestellt werden. Der Funke springt: nicht nur Musiker zeigen grosses Interesse, sondern auch die ETH Zürich, die Berner Fachhochschule für Technik HTI und die Hochschule für Technik Rapperswil HSR führen Forschungsprojekte durch, mit besonderem Augenmerk auf die Zusammenhänge zwischen Statik, Material und Akustik. In mehreren Ländern beginnt die Musikfachpresse über diese Gitarre zu berichten, Ermanno Chiavi präsentiert Referate vor zahlreichen Fachgremien.
Es entstehen in der Folge einige Werke für das 13-saitige Instrument, so ein Quintett für
13 Saiten und Streichquartett des Komponisten Martin Derungs, uraufgeführt 2007 in der Tonhalle Zürich mit Admir Doçi und dem Galatea-Quartett und aus derselben Feder eine Oper für Gitarre und Orchester zwei Jahre später, uraufgeführt in der Victoria Hall in Genf, ebenfalls gespielt von Admir Doçi und dem Schweizer Jugendsinfonie-Orchester.
Nachfolgende Aufträge aus der ganzen Welt ermöglichen eine beständige Weiterentwicklung und Optimierung des Instrumentes. Aus diesem Grund spielen beim Konzert Anders Miolin den Prototyp und sein Duopartner Luka Stamenkovic die zuletzt gebaute Gitarre.
Zu den Künstlern: Anders Miolin, geboren in Stockholm, studierte mit 15 Jahren an der Königlichen Dänischen Musikakademie und schloss mit vier Diplomen in Kopenhagen, Malmö und Basel ab. Er hat erste Preise in Finnland, Italien und Martinique gewonnen und unterrichtet heute an der Hochschule Zürich Gitarristen aus vielen verschiedenen Ländern.
Luka Stamenkovic, geboren in Belgrad, begann mit acht Jahren Gitarre zu spielen und war schnell Preisträger mehrerer nationaler und internationaler Gitarrenwettbewerbe. Er studiert bei Anders Miolin seit 2010 und erlangte sein Bachelor-Diplom mit dem Projekt
„Balkanin Progress“. Zwei Jahre später wurde er in der renommierten Yehudi Menuhin Organisation „Live in Music“ aufgenommen und gibt verschiedene Benefiz-Konzerte.
Um 17 Uhr beginnt das Konzert, nachdem in der Werkstatt die verschiedenen im Bau befindlichen Instrumente ausgestellt wurden. Ermanno Chiavi eröffnet den Abend, die beiden Künstler betreten die Bühne und spielen virtuos und leidenschaftlich. Besonders ergriffen ist das Publikum von der Komposition „Capriccio for Malala“, das Anders Miolin geschrieben hat, nachdem ein junges Mädchen von den Taliban getötet wurde.
Nach der Pause begeben sich Chiavi und Miolin auf die Bühne und erzählen, jeder aus seiner Perspektive, die Geschichte der 13-saitigen Gitarre:
Was Miolin am meisten schätzt, sind die besonderen Klangfarben und die neue Lautstärke, so dass er mit den Streichern mithalten kann. Und 13 Saiten, um dem „Gefängnis der sechs Saiten“ zu entkommen, mit einem viel längeren Nachklang. Ermanno Chiavi berichtet über die lange Phase der Planung, über die vielen Entdeckungen beim Bauen, über schwierige Detailprobleme und ihre Lösung. Während dieser Arbeit hat er parallel noch einen anderen Typus gebaut, eine sechs- bis zehnsaitige Gitarre mit versetztem Schalloch in Richtung Griffbrett, deren Deckenresonanzen sich dadurch ganz anders verhalten und ebenfalls einen viel längeren Nachhall erzeugen.
Der Klangvergleich der beiden Instrumente – das erste und das zuletzt gebaute – ist deutlich hörbar, die Gitarre von Luka Stamenkovic klingt wärmer und voller, eben nach zehn Jahren Weiterentwicklung. Er spielt zwei neue Kompositionen, die beim Publikum ebenfalls grosse Begeisterung auslösen: das Werk „Fraumünster“ in Anwesenheit des jungen japanischen Komponisten Kotaro Nishishita, und das Stück „Walk Dance“ von Miroslav Tadic.
Den Abschluss bildet ein Duo von Giovanni Battista Marella.
Die Musiker verabschieden sich nach einer langen Ovation, die Bar ist wieder offen,
man sitzt noch zusammen. Draussen fährt ein Nachtzug vorbei.
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